An den Präsidenten der Republik Serbien, Herrn Tomislav Nikolić,
und an den Premierminister der Republik Serbien, Herrn Aleksandar Vučić,

in der Überzeugung, die Mehrheit der Serben zu vertreten, fordern wir Sie mit diesem Brief auf, sich nicht an der aktuellen Dämonisierung des eigenen Volkes zu beteiligen, in dem Sie die Veranstaltung in Potočari am 11. Juli besuchen. Ihr Besuch hätte weitreichende Folgen für alle Serben: Die stillschweigende Anerkennung des angeblichen Genozids an der muslimischen Bevölkerung; dem gegenüber die Geringschätzung der serbischen Opfer von Srebenica; die Rechtfertigung der britischen Resolution im Sicherheitsrat und die Brandmarkung der serbischen Menschen als genozidal; die Unterstützung eines direkten Angriffs auf die Republika Srpska mit dem Fernziel, sie als "auf dem Genozid gegründet" abzuschaffen.

Es ist verwerflich, ein begangenes Verbrechen zu leugnen, aber niemand, der ehrlich die Wahrheit sucht, kann akzeptieren und behaupten, dass die Ereignisse von Srebenica als Genozid einzustufen sind. So hat beispielsweise Efraim Zuroff, Direktor des Zentrums "Simon Wiesenthal" in Jerusalem, in einem Interview für "Politika" am 18.06.2015 unterstrichen, dass Srebenica im Vergleich zu Ruanda und zum Holocaust nicht als Genozid charakterisiert werden kann.

Die Kontroversen über das Verbrechen von Srebenica, durch die die Einordnung als Genozid in Frage gestellt wird, sind Ihnen bekannt. Angefangen mit der Frage, ob und wie viele Menschen getötet, erschossen oder umgekommen sind im Kampf mit der Armee der Republika Srpska während des Durchbruchs nach Tuzla über die Feststellung, dass eine große Zahl der "Erschossenen" heute noch lebt oder bereits vor den Ereignissen gestorben war und der Tatsache, dass Ibran Mustafić, Gründer der SDA in Srebenica (Stranka Demokratske Akcije/ Partei der demokratischen Aktion) und der Kriegspräsident der Exekutive des Gemeindeparlaments von Srebrenica, behauptet hat, dass sie selber 500-1000 eigene Menschen umgebracht haben, bis zu dem letzten Urteil im Gerichtsprozess von Haag gegen Zdravko Tolimir (ehemaliger General der Armee der Republika Srpska), in dem durch die Behauptung von 4700 Getöteten in Srebrenica die offizielle Version von über 8000 bestritten ist. Jeder umgebrachte Mensch ist einer zu viel, aber es gibt zu viele Unstimmigkeiten, um die Einstufung der Ereignisse von Srebenica als Genozid einfach zu akzeptieren.

Uns als Serben tut es am meisten weh, dass diejenigen, die an der Dämonisierung der Serben teilnehmen, die über 3000 serbischen Opfer, die in der Zeit zwischen 1992 und 1995 in Srebenica getötet wurden, nicht sehen oder nicht sehen wollen. Wir erinnern daran, dass von diesen 70% zivile Opfer waren, die hauptsächlich mit "kalten Waffen" umgebracht wurden. Diese Verbrechen hat der damalige Befehlshaber und Tatbeteiligte Naser Orić zur Feier des zweiten Jahrestages der Gründung der muslimischen Armee in Srebrenica zugegeben, als er die serbischen Dörfer, die er zerstört hat, aufzählte. Alle Opfer sind und sollen gleich sein, aber heute sehen wir die Tendenz, serbische Opfer unbedeutend erscheinen zu lassen, der Erwähnung, eines Mahnmals oder einer Resolution nicht wert. Auch über andere Verbrechen gegen die Serben wird geschwiegen, wie die von Sarajevo, Vozuća, Kupres, Sijekovac und an anderen Orten.

Wir sind überzeugt, und wir glauben dass Sie uns darin folgen, dass die Resolution des Sicherheitsrates nicht auf Versöhnung in der Region abzielt, sondern ein Hindernis für die mögliche Versöhnung beider Völker darstellen wird. Der "Genozid von Srebenica" wurde konstruiert, um die Versöhnung dauerhaft unmöglich zu machen.

Die Resolution im Sicherheitsrat ist ein Angriff auf die Serben mit der Absicht, sie für genozidal zu erklären, wie auch ein Angriff auf die Republika Srpska, mit dem endgültigen Ziel, sie als "Hervorbringung des Genozids" entmachten zu können und schließlich ihre Auflösung in einem unitären Staat (Bosnien und Herzegowina) zu legitimieren. Womit die über 3000 serbischen Opfer von Srebenica, deren Leiden mit der Entstehung und Eigenständigkeit der Republika Srpska eng verbunden ist, ein weiteres mal entwertet wären.

Wir, die hier unterzeichneten serbischen Studenten, wollen bei der perfiden Attacke auf die Grundlagen der Staatlichkeit der Republika Srpska nicht als Außenstehende schweigen. Die Serben möchten zu diesen Angriffen nicht beitragen. Daher wenden wir uns an Sie mit der vollen moralischen, materiellen und physischen Unterstützung, damit Sie den ideellen Grundlagen und Interessen der Republika Srpska und der dort lebenden Menschen folgen und sie verteidigen.

In diesem historischen Moment haben Sie die Möglichkeit zu verhindern, dass künftige Generationen auf der ganzen Welt über die serbischen Menschen lernen, sie seien genozidal veranlagt und dass die zahllosen serbischen Opfer dieses Krieges vergessen werden. Sie können die Legitmierung der jahrzehntelang betriebenen Dämonisierung der Serben verhindern. Die Vertretung Serbiens hat sich in Potočari bereits für den angeblichen Genozid entschuldigt. Gab es entsprechende Entschuldigungen für die serbischen Opfer? Haben muslimische Vertreter und Vertreter der "westlichen Länder" die serbischen Opfer in Bratunac anerkannt?

Sie haben keinen Grund, als Vertreter der Republik Serbien wieder dorthin zu gehen. Aus all den oben genannten Gründen fordern wir Sie auf, am 11. Juli nicht nach Potočari zu gehen und stattdessen bei der Russischen Föderation darauf zu dringen, ihr Veto gegen die Resolution einzulegen!

Belgrad, 23.06.2015

Den serbischen Studenten
Wir laden alle Studenten, unabhängig von ihrem Wohnort, die diesen Brief unterschreiben möchten, ein, sich bei uns zu melden und uns zu unterstützen, auch alle Bürgerinnen und Bürger bitten wir um Unterstützung, genauso wie alle Organisationen, Parteien und Menschen, die die Wahrheit über Srebrenica unterstützen wollen.

Quelle: https://studentizaistinu.wordpress.com/deutsch/