Zum Tod von General Ratko Mladić (1943–2026)
Von wegen de mortuis nil nisi bene: Die Bannflüche der EU-Bonzen verfolgen den bosnisch-serbischen Oberkommandierenden über seinen Tod hinaus. Die Trauerbekundungen Tausender von Serben werden als »Verherrlichung eines Kriegsverbrechers« ausgeschrien; die Teilnahme hochrangiger Militärs und einiger Politiker aus der zweiten Reihe der serbischen Führungsriege hatte ein Wutgeschrei mit »Konsequenzen« für Serbiens Zukunft zur Folge. (Es nutzte dem derzeitigen serbischen Präsidenten und wieseligen Opportunisten Vučić also gar nichts, den NATO-Quisling Selensky zu einem Staatsbesuch eingeladen und sich mit ihm auf die »territoriale Integrität« beider Länder geeinigt zu haben: Serbien inklusive Kosovo, die Ukraine einschließlich des Donbass: so lohnt Satan seine Diener!) Einst war es Kirchenpraxis, die Leichen von post mortem zu Ketzern erklärten Personen auszubuddeln und »ordentlich« zu verbrennen; fehlt nur noch, daß die EU-Junta diesen altehrwürdigen Brauch wiederaufleben läßt. Auf jeden Fall sollen es die noch lebenden Serben ausbaden: Wer die Mitgliedschaft in der EU beantrage (wie es die serbische Führung törichter- und kniefälligerweise tut), »entscheidet sich«, so lautet die Belehrung, »auch für Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde und die Anerkennung gerichtlich festgestellter Verbrechen«. Sagen diejenigen, die in einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg – eine beabsichtigte Tautologie – die Volksrepublik Jugoslawien zerschlagen haben. Sagen diejenigen, die aktuell mit dem »Digital Services Act« eine Milliarde Mitteilungen pro Jahr in den sog. »sozialen Medien« weltweit unterdrücken und diesen historischen Zensurrekord als »Demokratieschild« feiern. Sagen diejenigen schließlich, die mit selbstgebastelten Gerichten Sieger- und Rachejustiz übten und den General bis ins hinfällige Greisenalter in seinem Den Haager Kerker verrotten ließen. –
Zur Erinnerung: Der bosnische, vom Westblock initiierte und geschürte »Bürgerkrieg« diente in der ersten Hälfte der 90er Jahre als Probelauf für die Zerschlagung Gesamt-Jugoslawiens. Die Schröder/Fischer-Regierung, also SPD/Grüne, trug ihren Teil dazu bei, indem sie Art. 26 der deutschen Verfassung brach und kackfrech in die Welt setzen ließ, »Angriffskriege« ließen sich per se nicht definieren (wohlgemerkt nur, wenn die NATO sie führt). Die Serben stellten in Bosnien-Herzegowina mit zwei Dritteln der Gesamtbevölkerung die stärkste – orthodoxe – Volksgruppe, in den Rest teilten sich die – auch einander selbst befehdenden – katholischen Kroaten und die aus der osmanischen Besatzungszeit stammenden Moslems. Staatschef war seinerzeit der vom Westblock inthronisierte Islamist Izetbegović, der zum Serbenschlachten Mordbanden aus Afghanistan, Saudi-Arabien, Tschetschenien usw. anheuerte. Er war natürlich kein »Kriegsverbrecher«, und so steht heute das bosnisch-serbische Rumpfdrittel, die »Republika Srpska«, auf dem Speisezettel der EU. Und natürlich: Srebrenica. Dort waren Mladićs Truppen 1995 kampflos einmarschiert, nachdem es von den moslemischen Verbänden zuvor geräumt worden war (als einer der zahlreichen, von UN-Truppen bestens überwachten »Schutzgebiete« in Bosnien war Srebrenica ein mehrheitlich von Moslems bewohntes Städtchen in serbischem Siedlungsgebiet). Vor Ort anwesende holländische Truppen hatten nichts von einem »Völkermord« bemerkt – warum wohl? – und handelten sich danach fürchterliche Schelte ein. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt so wenig wie die Weltöffentlichkeit gewußt, daß US-Präsident Clinton zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt schon eine Vision hatte, derzufolge dort Schreckliches geschehen könnte – hellsichtig, wie US-Präsidenten manchmal sein können. Und so wurde aus einer Vision unter beständigem medialen Begleitfeuer schließlich ein feststehender Glaubenssatz der Westblock-Propaganda, den zu kritisieren, den zu hinterfragen so risikobehaftet ist wie vor wenigen hundert Jahren eine vernunftgeleitete Aussage über ein christliches Dogma. Gewalt und Lüge, Lüge und Gewalt – ein siamesisches Zwillingspaar…
Der AHRIMAN-Verlag veröffentlichte seinerzeit, um dem NATO-Kriegsgeschrei und den serbenfeindlichen Haßtiraden Contra zu bieten, ein zuerst auf Englisch erschienenes Buch von Arnold Sherman, »Die Zerschlagung Jugoslawiens«. Es erreichte zwei Auflagen und ist mittlerweile vergriffen. Sherman, US-israelischer Staatsbürger und Träger des Haifa-Literaturpreises, hatte das bosnische Kriegsgebiet bereist (war also »investigativ« gewesen, ohne davon ein Gedöns zu machen) und hatte unter anderem General Mladić getroffen und mehrere Interviews mit ihm geführt. Die nachfolgenden Auszüge stammen aus Kap. XIX des genannten Buches, das die Überschrift »Der General ohne Waffen« trägt. Sie bilden einen wohltuenden Kontrast zum aktuellen Kriegsgerassel und »Drohgefuchtel « (Peter Handke). Wer Genaueres wissen will, sei auf die Veröffentlichungen von Sara Flounders (»Die bosnische Tragödie«, Ketzerbriefe 68) und Alexander Dorin verwiesen (»In unseren Himmeln kreuzt der fremde Gott«, 2. Aufl., und »Srebrenica – wie es wirklich war«, 3. Aufl.).
Peter Priskil
Hier nun Shermans Portrait des Generals in Auszügen:
(…) Auf die Frage von »Time«, was er tun würde, wenn die Alliierten ihn angriffen, erwiderte er fröhlich: »Wenn sie mich bombardieren, bombardiere ich London und Washington.« Er weigerte sich, eine Waffe abzufeuern, und erklärte dazu: »Es ist mein Job, Männer zu führen, nicht sie umzubringen.« General Ratko Mladić, fünfzig Jahre alt, sagte, er sei ein einfacher Mann. »Ich stamme aus dem Volk. Ich möchte mit ihnen auf gleicher Stufe stehen und mich nie über sie erheben. Alles kommt aus dem Volk – das Gute wie das Schlechte. Ich bin eins mit ihm.« Der großgewachsene, stämmige Berufsoffizier wurde am 12. März 1943 in dem Dorf Kalinovik im Südosten Bosniens geboren. Sein Vater wurde zwei Jahre später in einer Schlacht mit kroatischen Ustaschen umgebracht. Mladić wurde am 19. Oktober 1991 zum General der jugoslawischen Armee ernannt als einer von vier Generälen, denen die Vollmacht zu kriegerischen Handlungen übertragen wurde. (…)
Für den General war das ganze Volk der Serbska seine Armee, ob nun einer eine Waffe oder Uniform trug oder nicht. Er hatte eindeutig recht. Die Männer waren abwechselnd Arbeiter und Soldaten. Sobald Spannungen oder Ärger in der Luft lagen, erschienen sie unaufgefordert mit ihren Waffen. Wenn die Lage sich entspannte, wußten sie, wer nach Hause gehen konnte und wer nicht. Die Soldaten waren nicht nur Kameraden, sie waren gewöhnlich Nachbarn und Freunde. Das war eine Armee von Bürgern, denen man nicht erst Patriotismus einflößen mußte, um ihnen beizubringen, was man von ihnen erwartete. Sie kämpften im wahrsten Sinne des Wortes für ihre Häuser, ihr Eigentum, ihre Familien und um ihr Überleben.
Der General war offenbar informiert über meine Person und das Buch, das ich zu schreiben plante. Er stellte fest, daß nur die Juden ähnlichen Gefahren und einer so erdrückenden Übermacht ausgesetzt gewesen seien und sie es dennoch geschafft hätten, zu überleben. »Sie müssen verstehen, worum dieser Konflikt überhaupt geht. Wir wurden von unseren Nachbarn angegriffen, von Leuten, mit denen wir unser ganzes Leben lang gut ausgekommen waren. Vergessen Sie die Verleumdungen, die Sie gelesen haben, die aus der Feder von Journalisten stammen, die mal kurz vorbeischauen und dann wieder verschwinden, ohne die geringste Ahnung von dieser Gegend zu haben. Dies ist ein Krieg unter Nachbarn und früheren Freunden, die eines Tages aufwachten und sich gegenseitig die Kehle durchschnitten.«
In einer Mischung aus Nostalgie und Zorn sprach Mladić über Jugoslawien. »… die Geschichte hat schon zweimal gezeigt, daß vor allem die Serben darunter zu leiden hatten. 1918 war ein Drittel der Serben tot, 56 % aller Männer. Und während des Zweiten Weltkriegs waren 11 % der Bevölkerung ums Leben gekommen, davon 98 % Serben. (…) Es waren die Serben, die zwischen sechzehn und dreißig deutsche Divisionen während des Zweiten Weltkriegs auf dem Balkan festgehalten hatten, und nach einer Studie des amerikanischen Geheimdienstes CIA über die Opfer des Krieges wurden 78.000 Serben von Deutschen umgebracht, 28.000 von Italienern und 750.000 von Kroaten und Moslems.
Selbst die Deutschen waren verblüfft über die Ustascha, und das will etwas heißen. Denn es ging denen nicht nur ums Töten, sondern es mußte der unglaublichste Sadismus dabeisein. (…)«
Unser Treffen fand im Präsidentenpalast statt, dem vorletzten Halt vor der Fahrt hinunter nach Grbavica in Sarajevo, die für den nächsten Tag vorgesehen war. Wie bei allem, was ich in Pale erlebt hatte, war der Umgang auch hier unbeschwert und ohne Förmlichkeiten. (…) »Ich bin«, fuhr der General fort, »vor allem ein einfacher Mensch. Ich bin nicht unredlich, und so wollte ich am Anfang einfach nicht glauben, daß die Kroaten und Moslems schon wieder als Marionetten Deutschlands gegen uns kämpften. (…) Die Moslems haben zwar noch keine Atombombe, aber sie selbst sind eine demographische Bombe.«
Da wir nun auf den Islam zu sprechen gekommen waren, wollte ich gerne etwas über die Rolle wissen, die die islamischen Freiwilligen – die Mudschahedin – in diesem Krieg spielten. Mladić gab an, daß etwa 15.000–20.000 islamische Freiwillige vor allem in der Herzegowina gegen die Kroaten kämpften. Er fügte hinzu, daß es geheime Ausbildungslager in der Türkei, im Iran, in Saudi-Arabien und Pakistan gab. (…) Des weiteren dienten, dem General zufolge, 13.000 Söldner in der Armee Kroatiens, Freiwillige aus Deutschland, Kanada, Argentinien, Venezuela, Großbritannien, dem Sudan und aus Brasilien. (…) »Serbien ist nicht auf Freiwillige aus anderen Ländern angewiesen. Es braucht sie nicht. Die Tradition zu kämpfen ist tief in meinem Volk, in uns allen verwurzelt.« (...)
»1991 warf sich ein junger Mann zwischen mich und eine Granate, die mir gegolten hatte. Er wurde schwer verwundet, und ich war erschüttert – nicht so sehr wegen der Nähe des Todes, sondern angesichts der Tatsache, daß ein anderer an meiner Stelle zu sterben bereit war. Lange Zeit fühlte ich mich unfähig, nicht reif genug zu verstehen, worum es wirklich ging. (…)«
Während der 27 Jahre, die er in der Armee diente, hatte Mladić nahezu jeden Posten eingenommen, den man sich vorstellen kann. (…) »Die Tragödie des serbischen Volkes besteht darin, daß auf der einen Seite Serben jeden Tag kämpfen und sterben, während andere danebenstehen und zusehen. Ich empfinde ein tiefes Mitgefühl mit meinen Brüdern, die der internationalen Blockade ausgesetzt sind und unter den Sanktionen leiden. Das war ein Verbrechen, begangen von der heuchlerischen internationalen Gemeinschaft. Aber ich kann nicht denjenigen meiner Brüder vergeben, die sich gegenüber dem blutigen Krieg, der uns alle verschlingt, gleichgültig verhalten. Im Juni 1992 kamen sehr viele bosnische Serben ums Leben. Mehr als hundert Dörfer brannten auf unserer Seite der Drina nieder – Orte, die es nicht mehr gibt, wie Tegari, Ratkovići, Fakovići, Skelani. Frauen und Kinder wurden ermordet. Alte Leute wurden lebend in die Flammen geworfen, die ihre einstigen Häuser verzehrten. Wir kämpften um unser Leben.
Ich flog mit einem Hubschrauber über die schlimmsten Schlachtfelder, um den Kampf zu koordinieren. Selbst ich, der ich viel gesehen habe, konnte kaum glauben, welches Grauen sich da unten abspielte. Und dann schaute ich plötzlich auf die andere Seite der Drina hinüber, gerade mal siebzig Meter weiter, und ich sah, wie meine Mitserben dort Fußball spielten. Die Zuschauer klatschten und feuerten ihre Mannschaften an. Junge Männer hielten ihre Freundinnen im Arm. Damals hätte ich beinahe meinen Schwur gebrochen, keine Waffe anzurühren. Wenn ich eine Bombe gehabt hätte, dann hätte ich sie auf sie geworfen. Ich war verzweifelt, als ich feststellte, daß die Serben kein nationales Programm haben. Wir sind nicht einig genug. Wir kämpften sechshundert Jahre lang gegen die Türken und zweimal gegen die Deutschen, aber wir waren, was die Verbundenheit untereinander anbelangt, nie richtig zusammengewachsen. (…) wir können es uns nicht leisten, eine Schlacht zu verlieren, weil das unsere vollständige Ausrottung bedeuten würde. Sie haben sich dieselben Fragen wie ich gestellt: ›Habe ich das Recht auf mein eigenes Land? Warum bin ich anders als die Franzosen, Waliser, Griechen oder Italiener?‹ Ich möchte den Moslems nichts wegnehmen. Sie sollen ihr Land haben. Aber sie sollen mich in Ruhe lassen. Ich stehe mit dem Rücken zur Wand. Ich fürchte mich nicht, für das zu kämpfen, woran ich glaube. Wenn ich diesen Krieg verliere, verliere ich alles.«
(…) »Wer entscheidet darüber, ob man seinen eigenen Staat haben darf oder nicht? Die internationale Gemeinschaft! Aber mit welchem Recht will denn jemand über mein eigenes Schicksal und über meine Zukunft entscheiden?« (…)
* * *
Das klingt doch etwas anders als die »5-Minuten-Haßsendungen« der Westblock-Medien, oder nicht?
